Invasion vom Mars – Rezension: Krieg der Welten


Das Buch Krieg der Welten von H. G. Wells zählt zu einem der Klassiker der Sci-Fi-Literatur. Der Mantikore Verlag hat das Buch neu aufgelegt und diese geradezu schon historisch wichtige Erzählung leicht überarbeitet und mit einem tollen Vorwort von Joachim Körber versehen.

H. G. Wells wird gerne neben Jule Verne als “Erfinder” des modernen Science-Fiction-Genres gesehen. Wie Körber in seinem Vorwort schreibt, gingen die Beiden jedoch vollkommen unterschiedliche Wege. Während sich Jules Verne vielmehr auf die Wissenschaft berief und neue Technologien auf der Basis der damaligen Entwicklung ausdachte, schrieb Wells deutlich fiktiver und beschäftigte sich mehr mit den Auswirkungen auf die Gesellschaft durch die Maschinen. Krieg der Welten ist daher zeitgleich auch ein Werk, das anhand einer Invasion durch technologisch überlegene Marsianer die Kolonialpolitik des britischen Empires sozialkritisch beleuchtet.

Das Buch erschien erstmals 1898 und markiert damit wohl das bedeutendste Werk von H. G. Wells. Er stellt sich darin nicht nur die Frage, ob wir alleine im Universum sind, sondern ob außerirdische Rassen uns wohlgesonnen wären. Klingt bekannt? Das Werk wurde mehrmals modern umgesetzt und das Motiv immer wieder weiterentwickelt. Eine der letzten “Adaptionen” ist wohl der zweite Teil von Independence Day.

Einen Eintrag in die Geschichtsbücher hat die Erzählung übrigens dank einer grandiosen Hörspielumsetzung 1938. Das Hörspiel wurde im Stile einer Radiosendung aufgebaut und hat aufgrund dieser Aufmachung Irritation und teils Panik in New York und New Jersey ausgelöst. Zwar spielte das Radio anfangs den Hinweis, dass es sich nur um einen fiktiven Beitrag handle, aber wer später eingeschaltet hat, konnte alles schon für bare Münze nehmen. Obwohl die viel zitierte Massenpanik vermutlich nur eine Erfindung der sensationslüsternen Presse war, hält sich dieses Bild der Erzählung und des Hörspiels bis in die heutige Zeit.

Doch zurück zu unserem Buch und einer kurzen Zusammenfassung der Geschichte aus dem Klappentext:

“Als sich außerirdische Flugobjekte der Erde nähern, erkennen die Menschen, dass sie nicht allein im Universum sind. Die Fremden sind den Erdbewohnern technisch weit überlegen und machen schnell klar: Sie kommen nicht in Frieden.
Als die Invasion der Erde beginnt, entbrennt ein Krieg, bei dem nicht weniger auf dem Spiel steht als das Überleben der gesamten Menschheit…”

Tatsächlich ist dies auch der gesamte Kern der Geschichte. Erzählt wird der Roman aus Sicht eines Ich-Erzählers, dessen Name wir nicht erfahren. Wir wissen nur, dass er ein Schriftsteller und Philosoph ist, ein angenehmes Leben führt, dass er intellektuell-wissenschaftliche Texte für Zeitungen und Journale verfasst, und ansonsten neugieriger Hobby-Astronom ist. Außerdem hat er eine Frau, lebt in den Außenbezirken Londons und hat einen Bruder, der in der britischen Hauptstadt wohnt. Alles in allem also nicht der typische Held einer Geschichte. Eigentlich will es auch nur der Zufall, dass der Protagonist zur Hauptfigur wird.

Nahe seiner Heimat landet ein mysteriöser Zylinder, der vermutlich vom Mars abgefeuert worden ist. Da er zur intellektuellen Elite des Ortes zählt, wird er schnell hinzugezogen, sich diesen aus der Nähe Zylinder anzuschauen. Später will es das Glück, dass er nicht Mitglied der Gruppe ist, die mit wehender, weißer Fahne dem Marsianer ein friedvolles Angebot unterbreiten will. Denn schon zu diesem Zeitpunkt kommt der so zerstörerische Hitzestrahl zum Einsatz, der später ganze britische Truppen ausradiert. Von da an ist der gesamte Roman eine einzige Flucht und ein Versteckspiel vor den übermächtigen marsianischen Kampfmaschinen.

Mitten drin

Da wir alles aus der Ich-Perspektive erleben sind wir sehr nah dran an der Panik, die nicht nur den Protagonisten befällt, sondern vor allem die Menschenmassen. Ohne Rücksicht auf andere wird gedrückt und geschoben, Kinder und Alte werden zertrampelt oder von Karren überfahren. Teilweise ist den Leuten aber dann doch plötzlich Geld wieder wichtiger und sie riskieren ihr Leben, um ein paar Pfund von der Straße zu pflücken. Wells beschreibt diese Angst, Panik und dann doch wieder teilweise nüchterne Logik so gut, dass ich immer mit dem Protagonisten mitgefiebert und -gelitten habe.

Dennoch merkt man dem Klassiker sein Alter an. Trotz der leichten Anpassungen und Überarbeitungen wurde das Werk eben vor knapp 120 Jahren verfasst. Die Erzählweise, die langen Sätze und die vielen Einschübe machen es nicht immer leicht zu lesen – erst Recht für meinen “verwöhnten” Geschmack. Allerdings habe ich recht schnell hineingefunden und nach einigen Seiten waren selbst die komplexen Formulierungen und langen Sätze in der Regel kein Problem mehr und gut verständlich.

Die Arbeit des Verlags

Allerdings war ich nicht besonders angetan vom Lektorat von Mantikore. Es haben sich nicht nur hier und da Fehler eingeschlichen, sondern auch sehr viele Flüchtigkeits- und Anfängerfehler haben ihren Weg ins gedruckte Buch gefunden. Ich finde, dass ein professioneller Lektor einen das/dass-Fehler ausnahmsweise mal durchrutschen kann. Aber in der Häufigkeit, sollte das wirklich nicht geschehen – weder dem Lektor, noch dem Übersetzer vorher. Diese Inkorrektheit trübt bei mir leider immer wieder das Lesevergnügen.

Was noch nett ist: Der Verlag hat Postkarten mit den Motiven aller alternativen Cover-Illustrationen beigelegt. Diese reichen von detailreicheren und modern aussehenden Zeichnungen bis zu minimalistischen und schemenhaften Darstellungen. Auf jeden Fall ein schönes Extra!

Fazit

Alles in allem ist Krieg der Welten auch heute noch ein Klassiker der Sci-Fi-Literatur und ist eigentlich ein Pflichtkauf  für jeden Fan des Genres. Für alle anderen kann es schwere Kost sein, da der Schreib- und Erzählstil trotz Überarbeitung mindestens noch im Anfang des 20. Jahrhunderts hängt.

 
Krieg der Welten
Autor: H. G. wells
Verlag: Mantikore Verlag
Taschenbuch: 296 Seiten

Krieg der Welten: Der Science Fiction Klassiker von H.G. Wells als illustrierte Sammlerausgabe in neuer Übersetzung

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4.4 von 5 Sternen (17 customer reviews)

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Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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