Keine Helden!


Vor einiger Zeit erschien der Fantasy-Roman Keine Helden – Piraten des Mahlstroms des Jungautors Nils Krebber beim Amrûn-Verlag. Wir haben uns das etwas andere Piratenabenteuer der beiden Trickbetrüger Eberhart und Aurelia etwas genauer angeschaut.

Das Cover stimmt auf Abenteuerliches ein. (© Amrûn)

Weder edelmütig noch gewissenlos

Der kluge Eberhart und die flinke Aurelia sind ein gut eingespieltes Duo, welches sich darauf spezialisiert hat, in dem Hafenstädtchen Kammerbad ahnungslose Reisende finanziell zu erleichtern. Kein sehr aufrichtiges Leben, aber es lässt sich zumindest über die Runden kommen.

Der Schlamassel beginnt schließlich mit der Ankunft der betuchten Gräfin von Maracasar, Estella Veronica Asuncion del Mar. Auf der Suche nach erlesenen Zeugnissen zum Laroskult bzw. dem Sieg der Sturmgeborenen über den Schreckenskorsar und seine untoten Heerscharen lässt sie einen Kunstbasar veranstalten.

Den großen Coup witternd, der Gräfin einige gefälschte Schriftstücke aufzuschwatzen, fingieren Eberhart und Aurelia ein Verkaufsgespräch, um die Gastgeberin auszuspionieren und im Schutze der Nacht zu bestehlen. Letzteres geht natürlich gehörig schief und so landen beide in den Fängen des gräfischen Leibwächters und gefürchteten Inquisitors Adrian van Berg. Und sein Name ist Programm.

Als Wiedergutmachung zwingt del Mar die Ertappten, ihr bei der Suche nach dem Schatz und dem Erbe des Schreckenskorsars zu helfen. Doch bevor die Expedition zum gefährlichen Mahlstrom beginnen kann, gilt es noch, den skurrilen Kapitän Akbash samt Schiff und Mannschaft anzuheuern und die Marine um ihre Schiffsbewaffnung zu erleichtern. Und sei das alles noch nicht schwer genug, gilt es den sich selbst ins Sanatorium eingelieferten Joachim für die Sache zu gewinnen. Dieser besitzt nämlich eine ganz besondere Gabe, die wahrlich keinem Sterblichen, der noch ganz bei Sinnen ist, gut zu tun vermag…

 

Weder Helden noch Feiglinge

Eberhart gehört zu jenen Menschen, die mit ihrer kleinen, birnenförmig stämmigen Statur und ihrem schmalzig blonden Haupthaar für gewöhnlich nicht groß Eindruck schinden. Nichtsdestotrotz gehören vor allem das Austüfteln vielversprechender Pläne, Schauspielkunst, Verhandlungsgeschick und ein gewisses Maß an Eloquenz zu seinen Stärken.

Im Großen und Ganzen eine solide Mischung, um als Trickbetrüger ein durchaus akzeptables Auskommen ohne Gefängnisaufenthalte zu haben. Gerade Eberharts unscheinbares Äußeres, verbunden mit seinen zahllosen Schwächen, machen ihn menschlich und damit für mich als Leser interessant.

Die Zweite im Bunde ist die diebische Aurelia, die nicht nur mit ihren Dolchen umzugehen weiß, sondern auch allerlei Kontakte zur kriminellen Unterwelt von Kammerbad pflegt. Im Gegensatz zu ihrem Kompagnon entspricht sie eher dem stereotypischen Leitbild einer Schurkin oder Assassinin, wie sie aus Genre-üblichen Settings bekannt ist. Dennoch ergänzt sie Eberharts Charakter wunderbar und rundet das Duo ab. Nicht sonderlich originell, aber sinnvoll.

Die Gräfin del Mar lässt sich hingegen als berechenbar verbissene Matriarchin beschreiben, die stets das große Ganze im Auge behält, wobei sie ihre Ziele mit geradezu eisigem Kalkül und der notwendigen Strenge zu verfolgen weiß. Eine ernst zunehmende Persönlichkeit, die – ob Freund oder Feind – stets nur für sich selbst Partei ergreift und dem sozialen Miteinander die notwendige Würze verleiht.

 

Weder anspruchslos noch fehlerfrei

Der Text selbst ist durch seine vergleichsweise einfache Gestaltung gut verständlich und lädt von der ersten bis zur letzten Seite zum Lesen und Weiterlesen ein, wenngleich rhetorisch durchaus Potenzial verschenkt wird, was dem Inhalt aber keineswegs zum Nachteil gereicht.

Weitaus gravierender ist hingegen das offenkundig nur sehr rudimentär ausgeführte Korrektorat. Die Fehlerliste reicht von falsch gesetzten Leerzeichen und einfachen Tippfehlern über mittig im Satz vollführten Absatzumbrüchen bis hin zu fehlenden oder falschen Personalpronomen und inhaltlichen Diskrepanzen, sodass stellenweise ganze Kapitel über viele Seiten hinweg nicht fehlerfrei abgedruckt wurden.

Ich frage mich wirklich, worin der Verzicht einer sauberen Korrektur begründet liegt, den ich nicht selten bei Veröffentlichungen kleiner Verlage beobachte und der meiner Meinung nach einer Diskreditierung der Autorenleistung gleicht. Kostet es denn so viel, auch kleinere Auflagen vernünftig zu betreuen? Oder ermöglicht gerade erst das Einsparen einer sorgfältigen Korrektur die womöglich investigativ risikoreiche Erstveröffentlichung vermeintlich absatzschwächerer Produkte, die nur wenig beworben wurden? Es ist mir ein Rätsel.

 

Fazit

Insgesamt erachte ich Keine Helden – Piraten des Mahlstroms als eine gelungene Geschichte, die das Piratensetting mit einigen gängigen Fantasy-Elementen ergänzt. Nils Krebber erschafft eine glaubhafte Welt, die ich nur zu gern mit den Protagonisten erkunden möchte. Wirklich empfehlen kann ich das Werk aber leider nur all jenen, die abseits der inhaltlichen Ausrichtung über die vielen orthografischen Mängel hinweglesen können. Eigentlich sehr schade.

 

Wie bewerten wir? Lest hier nach.

 

Keine Helden – Piraten des Mahlstroms
Autor: Nils Krebber
Verlag: Amrûn
Softcover: 301 Seiten
 

Keine Helden: Piraten des Mahlstroms

Price: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen (2 customer reviews)

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Marco Schugk

Marco Schugk

Tauscht gern Schwert und Rüstung gegen Federkiel und Tinte, um den Geschichten und Erzählungen seiner Kameraden gelehrsam Ausdruck zu verleihen.
Hauptthemen: Lektor, Games, Brettspiele.

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