Netflix alte, angefettete Pferdestärke


Mein persönliches Serien-Highlight 2017: In der diesjährigen Saison startete die vierte Staffel von BoJack Horseman auf Netflix und wie in allen drei Staffeln zuvor konnte ich nicht aufhören, alle Episoden direkt anzuschauen.

Ein Pferd auf Drogen…

Die erste Staffel von BoJack Horseman startete 2014 und erhielt eher gemischte Kritiken. Letzteres war für mich schon damals eine Unverständlichkeit. Diese Serie bietet einen ziemlich ungehaltenen Blick auf Hollywoo(d), seinen Lifestyle und die dunklen Ecken in all unserem Handeln. Noch mehr als in Game of Thrones wird uns hier der Teppich unter den Füßen weggerissen und eben keine Illusion jener Stadt gezeigt, in der vermeintlich Träume wahr werden. Vielmehr wird uns und den Figuren immer wieder die harsche Realität eines gleichgültigen Universums offenbart. Dazu gesellt sich eine visuell sehr charakteristische Gestaltung samt eingängiger Dialoge, die zu schallendem Gelächter verhelfen oder tiefe Spuren in uns hinterlassen.

BoJacks größte Angst. (©BoJack Productions LLC)

 

BoJack Horseman mag animiert sein, aber ist doch weit davon entfernt, für Kinder geeignet zu sein. Zumal das Ziel der Serie es eben nicht ist, uns Lacher zu entlocken, obwohl es immer wieder sehr komisch wird. Am Ende versucht diese Serie uns zu berühren, uns sogar dazu zu ermuntern, in diesem alten, gefallenen Schauspieler und professionellen Arschloch das zu sehen, was er ist:

Eine gebrochene Seele, jemand, der unser Mitleid verdient und um den man trauern sollte, weil er die Welt und sie ihn so behandelt. Er macht einem dies aber nicht leicht, denn er pöbelt jeden an, der ihm nicht sofort jeden Wunsch erfüllt. Er glaubt, die Welt müsse ihm zu Füßen liegen und er sei der Größte – ein Ego, das Ausmaße erreicht, von dem Diktatoren nur so träumen. Und doch, je mehr Folgen ich sehe und je mehr Bojack, sein Innenleben und seine Vergangenheit beleuchtet werden, desto mehr leide ich mit ihm. Zumindest in den Momenten, in denen er die Fassade fallen lässt und seine verletzliche Seite zeigt.

Aber es geht nicht nur um ihn. Alle um ihn herum bekommen ein Leben und je mehr Bojack wächst, desto mehr Zeit wird auch den anderen Figuren gewidmet. Und so dürfen wir auch mit ihnen leiden und feiern.

 

…und kein Abdecker in Sicht

Und es sind niemals extraordinäre Vorkommnisse. Es ist alles alltäglich, normal, das Leben ist so fair zu ihm wie zu jedem anderen auch.

BoJacks gesunder Umgang mit seiner Angst. (© BoJack Productions LLC)

Er rettet weder die Welt, noch löst er Kriminalfälle oder ist in irgendetwas Anderem besonders gut. Er ist ein Jedermann. Ein Jedermann, der Glück hatte und kurz erfolgreicher Schauspieler war. Ein Vermögen, mit dem er noch immer ein Luxusleben finanzieren kann. Aber sonst ist er wie alle anderen.

Naja, er ist ein Pferd, sein bester Freund ist ein Mensch, sein bester Feind ein Labrador, sein Agent eine Katze und sein Verleger ein Pinguin. Ein Jedermann eben.

Die Idee der Tiere als dem Menschen gleichgestellte Lebewesen ist zwar nicht neu, aber dennoch stilvoll umgesetzt und bietet daher viele Gelegenheiten, den dieser Serie innewohnenden Humor zur Geltung zu bringen. Wenngleich dafür in der Animation viel ausgereizt wird, ist sie in den Sternstunden doch eher emotional und geerdet, um möglichst tiefe Wunden zuzufügen und mit den Gefühlen ihrer Protagonisten und Zuschauer wie gekonnte Violinisten zu spielen.

Davon abgesehen finde ich persönlich die Leistung der deutschen Synchronsprecher im besten Falle ausreichend und zweifelsohne nicht so gut wie im Original. Im Englischen kamen gerade die emotionalen Stellen sehr viel prägnanter rüber als im Deutschen. Das mag aber auch einfach meine Anglophilie sein, die da unverblümt durchscheint. Der Animationsstil ist von Anfang an hochwertig und stabil, ohne dabei übertreiben zu wollen. Es handelt sich um einen klaren Zeichentrickstil, der aber über kindsgerechte Darstellungen hinausgeht und sich dementsprechend qualitativer als vergleichbare Formate wie Family Guy und Simpsons präsentiert.

 

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich selten bei einer Serie so laut lache und so intensiv mitfühle wie bei Bojack Horseman. Dieses Pferd ist zu niemandem gut und doch möchte ich ihn einfach nur trösten und ihm ein Stück Zucker geben. Von mir ein klares “Sollte man gesehen haben”.

Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden