Die Darstellung von Tieren in Videospielen Part 1: Haustiere


Im Jahr 2016 hatten wir bereits eine Reihe zum Thema Frauen in Games und Comics. Durch einen Dialog über Hühner (Haltungsformen, natürliches Verhalten etc.) kam mir ein Gedanke, der schon länger in mir brodelt: “Die Darstellung von Tieren in Videospielen”. Betrachtet werden in dieser Artikelreihe nur Tiere, die wirklich leben oder gelebt haben. Natürlich kann ich nur Games mit einbeziehen, die ich selbst gespielt habe, daher sind Kommentare mit Ergänzungen und Gegenbeispielen ausdrücklich erwünscht. Beginnen möchte ich die Reihe mit den Haustieren (dazu zählen für mich auch Kühe, Schweine, Schafe und Hühner).

Jeder Sims-Fan wartet sehnsüchtig auf die Tier-Erweiterungen (© EA Games).

Anfangen möchte ich mit den klassischen Haustieren Hund und Katze, die wir häufig im Genre “Digital Pet” antreffen. Ob als Browsergame oder Konsolenspiel – der Spieler kann die virtuellen Fellknäule füttern, waschen, streicheln und bespaßen. Bei einigen Spielen kommen die nicht so angenehmen Sachen wie Krankheit und Tod hinzu. Gefühlt gibt es jedoch bei einem Großteil der Spiele bei Vernachlässigung keinen großen Nachteil.

Ein weiteres Genre, in denen Tiere recht beliebt sind, ist die Simulation. Ganz vorne mit dabei: Die Sims. Vom ersten bis vierten Teil gab es eine Tier-Erweiterung, die je nach Teil etwas anders ausfiel. In Sims 1 pixelige Spielgefährten, die mit einem Job Geld einbringen können, oder in Sims 4 nicht mehr steuerbare individuelle Bewohner, sind die Tiere immer treue Freunde der Sims, die mit ihnen jedes Auf und Ab des Lebens bestreiten und gemeinsam mit diesen altern.

Idyllisches Landleben 

Anders ist es in Harvest Moon Back to Nature: Als aufstrebender Jungbauer dienen die Tiere hier hauptsächlich dem Gelderwerb. Zwar kann der Spieler die Hühner auf den Arm nehmen und “knuddeln” (so wie den Hund) oder die Huftiere streicheln, erhält aber durch die emotionale Bindung nur eins: bessere Produkte zum Verkauf (bzw. beim Pferd eine Möglichkeit schneller von A nach B zu reisen).  An Festtagen können die Tierchen dann noch Preise für uns gewinnen und – tada! – wir erhalten goldene Milch, Eier und Wolle. Das hört sich jetzt etwas zynisch an, aber (auch wenn ich das Spiel gerne mag) werden Tiere hier sehr deutlich als Nutztiere präsentiert, die lediglich den wirtschaftlichen Belangen des Menschen dienen. Zumindest werden die Tiere hier nicht geschlachtet, denn bis auf den fangbaren Fisch lebt der Bauer in Harvest Moon vegetarisch.

Ähnlich sieht es in Stardew Valley aus, auch wenn die Auswahl der Tiere um einiges größer ist. Außergewöhnlich sind jedoch die Hasen, die ihre Pfoten verlieren, ohne sie zu verlieren.

Der treue Wegbegleiter

Neben den Simulationen bieten Rollenspiele dem Spieler gerne tierische Wegbegleiter an. Mein Favorit ist der Hund aus Fable II. Ein Streuner, den der Protagonist errettet und der uns von da an treu begleitet, im Kampf unterstützt, ohne Futter glücklich ist und nicht durch den Kampf sterben kann. Eigentlich können wir ihn sogar ignorieren. Das Schlimmste, das passieren kann, wenn uns das virtuelle Tier verletzt loyal hinterherhumpelt, ist aufkommende Missgunst bei diversen NPCs. Aber das interessiert den Spieler spätestens dann nicht mehr, wenn er sich ohnehin wie der letzte Arsch verhalten wollte.

Dennoch hat sich der programmierte Vierbeiner in mein Herz gespielt. Während ich schlachtete und hilflose Zivilisten aus Spaß in Flammen aufgehen lies, betüdelte ich den Hund und achtete darauf, dass er im Kampf nicht verletzt wurde. Es ist die doch recht simple Story, die einen Spieler durchaus dazu bewegen kann, eine emotionale Bindung zum Streuner zu entwickeln und trotz mangelnder Konsequenzen sich um das Wohl des Tieres zu kümmern.

Auch in Dragon Age kann ein Hund unser treuer Begleiter werden. Als Gefährte (Origins) oder Sonderfähigkeit (II) steht uns der Mabari im Kampf bei und beschert dem Spieler die eine oder andere unterhaltsame Cutscene. 

Ein weiterer Klassiker, in denen “Haustiere” eine besondere Rolle spielen, ist die Spielreihe Black and White. Als Gottheit wählt man am Anfang ein Tierchen aus, das den Spieler fortan begleitet und bei jeglichen Aufgaben unterstützt. Dabei muss das Tier von unserer göttlichen Hand erzogen werden, indem dieses gestreichelt oder geschlagen wird. Der Spieler formt die Persönlichkeit seiner Kreatur oder lässt ihm gänzlich seinen freien Willen. 

Doch nicht nur in Single-Playern sind Tiere treue Begleiter. Beinahe jedes MMORPG bietet Reit- und Haustiere, die meist kosmetischer Natur sind. Einen wirklichen Vorteil bringen sie dem Spieler in den meisten Fällen nicht. Sie sind mehr ein Prestige zum Sammeln oder Belohnungen für aufwendige Questreihen. Ebenso können bei einigen Klassen tierische Gefährten hinzukommen, die wiederum im Kampf Unterstützung bieten.

Fazit

Die Haustiere genießen eine recht positive Darstellung: Loyalität und Niedlichkeit stehen ganz oben auf ihrer Eigenschaftsliste und im Rollenspiel bedürfen sie wenig Zeitaufwand, während in Sims (und anderen Simulationen) ein gewisser Realismus der Verantwortlichkeit angestrebt wird. Rutschen die Tiere in eine Nutztier-Rolle werden die Umstände der Haltung, Pflege etc. recht harmonisch dargestellt, an manchen Stellen sogar stark idealisiert und haben kaum etwas mit der heutigen Realität zu tun.  

 

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
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